Frauen und Macht.

Warum es für Frauen schwieriger ist in Führungspositionen Allein unter Männern Es ist mittlerweile schon ziemlich lange her, aber ich war eine Zeitlang aktiv in der Politik engagiert. Es war

Warum es für Frauen schwieriger ist in Führungspositionen

Allein unter Männern

Es ist mittlerweile schon ziemlich lange her, aber ich war eine Zeitlang aktiv in der Politik engagiert. Es war eine interessante, anstrengende und vor allem lehrreiche Zeit für mich. Ich habe dort gelernt Teams zu führen, Mehrheiten zu akzeptieren, habe die Angst vor Wiederholungen verloren und erkannt, dass Geduld und Ausdauer für Erfolg mindestens genauso wichtig sind, wie Ideen, Visionen und Tatkraft. UND ich habe schmerzlich gelernt, dass Frauen weniger ernst genommen werden. 

Wie wohl in vielen männerdominierten Bereichen, war ich oft bei wichtigen Entscheidungsrunden eine der wenigen Frauen, wenn nicht gar die einzige. Hier habe ich mehrmals folgende Erfahrung gemacht: ich sitze mit mehreren Männern zusammen, ein Thema wird diskutiert. Man sucht nach Einigung oder einer gemeinsamen Strategie. Jeder kommt ausreichend zu Wort und die verschiedenen Vorschläge werden (wie man sich vorstellen kann in der Politik) ausführlich besprochen. Meine Vorschläge, Beiträge oder Forderungen werden weniger oder gar nicht ernst genommen und sogar mit Kommentaren wie: „Frau Engel-Fürstberger, was wollen Sie denn jetzt wieder“ abgetan. Dabei bin ich Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Parteivorsitzende, von der Funktion her also auf Augenhöhe mit den anderen! Und meine Vorschläge, Beiträge und Forderungen sind auf gar keinen Fall schlechter, absurder oder weniger umsetzbar als die meiner männlichen Kollegen. Daran kann es also auf keinen Fall liegen. Aber woran dann? 

Als ein hoher Verwaltungsmitarbeiter in einer der überparteilichen Runden eine ebenso hochgestellte Verwaltungsmitarbeiterin sehr unsachlich zurechtweist, während er bei Meinungsdifferenzen seinen männlichen Kollegen immer noch Respekt zollt, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: es liegt einzig und allein daran, dass wir Frauen sind. 

Diese Erkenntnis hat mich schockiert, mir die Augen geöffnet und letztendlich viel zu meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung beigetragen. 

Das Leben im Patriarchat hat Konsequenzen für Frauen

Dass wir in einem Patriarchat leben sollte mittlerweile jede und jeder wissen und die Thematik hält zum Glück immer mehr Einzug in die Medien. Darüber sind wir uns also zumindest schon einmal bewusst. Welche Konsequenzen das für Frauen hat, darüber sind wir uns weitestgehend noch im Unklaren. Wir merken schon, dass Frauen z.B. weniger verdienen oder dass es ab einer gewissen Führungsebene nur noch wenige Frauen gibt. Frauen spüren die gläserne Decke, die unüberwindbar scheint. Dass alles zusammenhängt, ist uns oft nicht ganz klar. 

Letztendlich wachsen wir im kollektiven Kontext des Androzentrismus auf, der Mann steht über allem, an ihm orientiert sich die Gesellschaft mit allen Strukturen. Der Umkehrschluss ist, dass die Bedürfnisse anderer, z.B. von Frauen sich unterordnen. Oder ganz platt und schmerzhaft formuliert: Frauen sind in unserer kollektiven, gesellschaftlichen Betrachtung weniger wert. Und das bekommen wir unser ganzes Leben lang gespiegelt: Arbeit von Frauen wird schlechter bezahlt, typisch weibliche Beiträge zu unserer Gesellschaft wie Kindererziehung oder Hausarbeit wird gar nicht honoriert, Frauen werden durch diese soziale Leistung sogar abhängig und auch „weibliche“ Werte werden abgewertet. Davon können Männer, die Erziehungsurlaub nehmen ein Lied singen. Das traurige ist, dass wir all das unbewusst abspeichern und dadurch oft sogar als „normal“ empfinden

Moderne Strategien und Überlebensstrategien von Frauen im Patriarchat

Frauen haben meiner Beobachtung nach, unterschiedliche Strategien entwickelt, um sich im Patriarchat zurechtzufinden. Eine sehr verbreitete, aber eher moderne Strategie ist zum Beispiel besonders viel Leistung zu bringen. Zu echter Anerkennung und zu Erfolg führt das aber – wie viele Studien beweisen – nicht, eher zu Erschöpfung und dem Gefühl persönlichen Versagens. Eine andere moderne Strategie ist es, zu kämpfen oder sich an den männlichen Habitus anzupassen. Jeder hat sicher sofort eine Frau vor sich, die eine echte Kämpferin ist wie vielleicht Alice Schwarzer oder sich hart benimmt, eher wie ein Mann. Letzteres begegnet einem oft in höheren Positionen. Beide Typen sind nicht besonders beliebt und beide Strategien funktionieren nur begrenzt und haben einen Preis. 

Warum spreche ich von modernen Strategien? Weil dieser Versuch des Umgangs mit der Abwertung der Frau im Patriarchat heute möglich ist. Vor 100 oder mehr Jahren noch nicht. Seit dem Beginn des Patriarchats vor ca. 5000 Jahren haben Frauen die meiste Zeit andere Strategien gewählt – und das waren im wahrsten Sinne des Wortes Überlebensstrategien: Für Überleben garantierte die Zuordnung zu einem Mann. Daher mussten sich Frauen allem voran anpassen, unterordnen und ihre Macht abgeben. Außerdem mussten sie schön sein und keusch. Nur Frauen, die attraktiv und „unbefleckt“ waren, sich untergeordnet und ihren Machtanspruch abgegeben haben, hatten über einen sehr langen Zeitraum die Chance zu überleben. Und der Nachwirkungen dieser Strategien, die heute theoretisch in unserem Kulturkreis nicht mehr notwendig sein sollten, sitzen uns immer noch im Nacken. Jedes einzelne Thema ist für viele Frauen immer noch ein Konfliktfeld. Heute möchte ich vor allem die Strategie „Macht abgeben“ und deren Konsequenzen beleuchten.

Frauen und Macht ist für uns noch immer eine ungewohnte Kombination

Ich behaupte einfach mal: Frauen und Macht ist für uns immer noch ungewohnt. Nach Jahrtausenden, in denen Frauen sich unterordnen mussten, wird uns auch heute noch weniger Macht zugestanden. Man könnte jetzt verschiedene Politikerinnen ins Feld führen, z.B. Frau Merkel, die Macht besitzen. Sie wurde sogar mehrmals zur mächtigsten Frau der Welt erkoren. Allerdings ist sie damit zum einen immer noch eine enorme Ausnahme und schauen wir uns mächtige Frauen doch mal genauer an. Bleiben wir bei Frau Merkel: ich möchte an den Skandal erinnern, den sie ausgelöst hat, als sie eines Abends ein Abendkleid mit Dekolleté in der Oper trug. Oh mein Gott, die Bundeskanzlerin hat Brüste! Jede andere Frau kann halb nackt rumlaufen, aber bitte keine Politikerin! Wenn Macht, dann bitte weniger weiblich! Seitdem wurde sie – wie viele andere Politikerinnen – nur noch in Hosenanzügen gesehen. Macht und Weiblichkeit sprengt immer noch unsere Vorstellungskraft.

In der Generation über uns mussten zum Beispiel Frauen, die Karriere machen wollten oft den Preis der Kinderlosigkeit zahlen. Beides ging nicht – und ist auch heute noch schwierig. Frau von der Leyen könnte ein Gegenbeispiel sein, Ministerin, sieben Kinder, sogar zuständig für Militär. Doch welche Häme musste sie über sich ergehen lassen. Ihr wurde und wird nicht nur Inkompetenz (mehr als ihren männlichen Kollegen vorgeworfen), sondern sie ist natürlich auch noch eine Rabenmutter. Wir tun uns schwer mit Macht und Mutterschaft und viele Frauen müssen sich auch heute noch entscheiden zwischen Kind und Karriere. 

Andere mächtige Frauen wären vielleicht Margret Thatcher oder Indira Ghandi. Beide haben für Frauen nichts verändert, keine Türen geöffnet. Beide haben männlich agiert. Sonst wären sie wahrscheinlich auch nicht so weit aufgestiegen. Der Preis, den sie für die Macht zahlen mussten, ist die Verleugnung ihrer Weiblichkeit, ihres Frauseins. Die Liste lässt sich lange weiterführen …

Sind Frauen weniger an Macht interessiert als Männer?

Und dann gibt es noch die andere Seite:  Frauen wollen oft auch gar keine Macht. Sie sind viel weniger daran interessiert als Männer. Ein Grund ist sicher eine jahrtausendelange Sozialisierung und Konditionierung, vielleicht sogar eine genetische Anpassung? Ein anderer Grund ist, dass Frauen meiner Erfahrung nach, eine ganz andere Vorstellung von Macht oder Führung haben als Männer. Sie sind eher an Kooperation und Zusammenarbeit auf Augenhöhe interessiert. Dafür gibt es in unserer klassisch hierarchischen Unternehmenskultur oft keinen Platz. Es gibt keine oder nur sehr wenige Vorbilder für dies Form der Führung und das bringt Frauen, die Verantwortung übernehmen wollen oft in einen Konflikt. Dann machen sie es eben so, wie Männer oder lassen es und ordnen sich unter.

Was können wir tun?

Wir müssen uns diese unbewussten Kontexte bewusst machen. Wir müssen an die Themen ran. Wir müssen über dieses Tabuthema sprechen. Und vor allem müssen Frauen sich trauen, ihre persönliche Vorstellung von Führung umzusetzen. Wir müssen unseren eigenen Weg finden machtvoll zu sein auf eine authentische Weise in unsere natürliche Macht hineinwachsen und uns selbst vertrauen. 

UND wir Frauen müssen uns solidarisieren. Denn eine der traurigsten Preise, die Frauen im Patriarchat zahlen, ist die ewige Konkurrenz untereinander und die Vereinzelung, die daraus entsteht. Und dafür gibt es nur eine Strategie: Zusammenhalt. Wie sitzen alle im selben Boot. 

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