Kommunikation kann es in sich haben!
Sicher hast du dich im Leben auch schon mal gewundert, warum dich jemand komplett falsch verstanden hat. Oder du warst in einem Streit, bei dem es irgendwann gar nicht mehr um das eigentliche Thema ging, sondern nur noch um die Frage: Wer hat was wann gesagt?
Ich glaube, es gibt kaum ein Thema, über das so viel geschrieben und geforscht wurde wie über Kommunikation. Von Paul Watzlawick über Friedemann Schulz von Thun bis hin zu Marshall Rosenberg – sie alle haben großartige Arbeit geleistet und uns viele hilfreiche Modelle an die Hand gegeben. Sich damit zu beschäftigen, lohnt sich auf jeden Fall!
Wenn du aber keine Lust hast, dich durch dicke Bücher zu wälzen, habe ich hier meine 5 Lieblings-Tipps für bessere Kommunikation für dich zusammengefasst – kurz, knackig und aus der Coaching-Praxis. Vielleicht ist ja was für dich dabei.
Vorneweg …
Kommunikation ist subjektiv! Klar, das ist für Kommunikationsexpert:innen nichts Neues. Trotzdem denken viele Menschen, dass das, was sie sagen, beim Gegenüber genauso ankommt, wie sie es gemeint haben. Spoiler: tut es nicht.
Tatsächlich kommen beim anderen oft nur rund 30 % dessen an, was du gesagt hast. Der Rest? Wird interpretiert – ganz unbewusst und individuell. Das heißt: Deine Worte oder dein Verhalten können beim Gegenüber ganz anders wirken, als du sie gemeint hast.
Deshalb: Sei so klar und einfach wie möglich. Und – ganz wichtig – frage nach, was angekommen ist. Nicht mit einem „Weißt du, was ich meine?“, sondern konkreter: „Was hast du verstanden?“ Das schafft Klarheit und vermeidet Missverständnisse.
Und hier zu meinen kleinen aber feinen Tipps …
1. „Und“ vs. „aber“
Streich das Wort „aber“ weitestgehend aus deinem Wortschatz. Wirklich. Denn „aber“ relativiert alles, was davor kam.
Beispiel: „Ich liebe dich, aber du nervst mich heute.“ Was bleibt hängen? Genau – das „du nervst mich“. Die Liebe wirkt plötzlich weniger echt. Besser: „Ich liebe dich UND du nervst mich heute.“ Beide Aussagen können gleichzeitig wahr sein, ohne sich gegenseitig auszuknipsen.
Das gilt auch für dich selbst:„Ich bin motiviert, aber ich schaff’s nicht.“ Besser: „Ich bin motiviert UND ich bekomme es gerade nicht hin.“ So schließt sich nichts aus – und du bleibst ehrlich mit dir. Es ist eine kleine Umstellung im Denken, aber sie macht einen großen Unterschied. UND sie lohnt sich.
2. Beziehungs- vs. Sachebene
Jede Kommunikation hat zwei Ebenen: die Sachebene (Was wird gesagt?) und die Beziehungsebene (Wie stehe ich zum Gegenüber?). Beispiel: Dein Partner sagt beim Essen „Das schmeckt mir nicht.“ Auf der Sachebene eine harmlose Meinung. Auf der Beziehungsebene? Puh. Vielleicht fühlst du dich verletzt, weil du dir Mühe gegeben hast und das nicht gewürdigt wird. Besser ist es, beide Ebenen anzusprechen: „Danke, dass du gekocht hast – mir schmeckt es heute leider nicht so.“
Zack: wertschätzend UND ehrlich. So bleibt die Beziehungsebene intakt.
3. „Man“ vs. „Ich“
Achte mal darauf, wie oft du „man“ sagst, wenn du eigentlich über dich selbst sprichst. Das passiert total schnell – gerade bei emotionalen oder unangenehmen Themen. Zum Beispiel: „Man ist traurig, wenn ein Elternteil stirbt.“ Oder: „Man kann schon an sich zweifeln, wenn man nicht schafft, was man sich vorgenommen hat.“
Klingt erstmal harmlos, oder? Aber eigentlich geht’s doch um dich! „Ich bin traurig, weil mein Vater/meine Mutter gestorben ist.“ oder „Ich zweifle an mir, wenn ich nicht schaffe, was ich mir vorgenommen habe.“
Was ist der Unterschied? Wenn du „man“ sagst, distanzierst du dich emotional von dem, was du fühlst. Es klingt allgemeingültig – als ob es allen so geht. Tut es aber nicht! Und: Es hilft dir nicht, deine eigenen Gefühle wirklich anzunehmen oder klar zu kommunizieren. Wenn du „ich“ benutzt, wird deutlich: Es geht um dich. Um dein Erleben. Und das ist ehrlich, berührend – und übrigens auch eine Einladung an dein Gegenüber, dich besser zu verstehen. Also: Mehr „ich“, weniger „man“ – gerade wenn’s um dich geht.
4. Ich-Botschaften
Und weil wir schon beim „Ich“ sind: Ich-Botschaften sind ein echtes Kommunikationswunder – vor allem, wenn es mal knirscht. Warum? Weil sie nicht angreifen, sondern erklären, wie es dir geht. Das macht einen riesigen Unterschied.
Nehmen wir mal ein typisches Beispiel: „Ich finde es scheiße, wenn du zu spät kommst.“ Was hörst du da? Genau – einen Vorwurf. Da geht innerlich sofort der Verteidigungsmodus an.
Stattdessen: „Wenn du zu spät kommst, fühle ich mich überflüssig. Ich brauche Zuverlässigkeit oder wenigstens eine Info, damit ich entspannt bleiben kann.“ Das ist ehrlich, verletzlich – aber nicht verletzend. Ich-Botschaften laden zur Verbindung ein – nicht zum Streit. Und das ist doch, was wir eigentlich wollen, oder?
5. Anerkennung nicht vergessen!
Was in all den Kommunikationsmodellen manchmal zu kurz kommt – und im Alltag leider auch – ist etwas ganz Grundlegendes: Anerkennung. Wir reden oft darüber, wie man Kritik richtig äußert oder Konflikte meistert, aber wann hast du das letzte Mal jemandem gesagt, dass du ihn oder sie schätzt? Einfach so, ohne Anlass?
Ich finde, das kommt viel zu selten vor. Dabei ist Anerkennung ein echtes Beziehungselixier. Sie gibt uns das Gefühl, gesehen, gebraucht und geliebt zu werden – und genau das ist ein ganz zentrales menschliches Grundbedürfnis: Zugehörigkeit.
Anerkennung verbessert jede Beziehung – egal ob Partnerschaft, Freundschaft, Kollegenkreis oder Familie.Und das Beste: Es ist eigentlich gar nicht so schwer. Ein ehrliches „Ich finde es toll, wie du das gemacht hast“ oder „Ich bin froh, dass es dich gibt“ kann Wunder wirken. Wir müssen es nur öfter tun. Wirklich meinen, wirklich sagen. Also: Nutze Kommunikation nicht nur, um dich auszudrücken oder Konflikte zu klären – sondern auch, um zu verbinden. Ein bisschen mehr Anerkennung im Alltag macht die Welt gleich wärmer. Und dich auch.
Und jetzt: einfach mal ausprobieren!
Kommunikation ist nicht nur Austausch von Infos – sie ist Beziehungsgestaltung. Jeden Tag, in jeder Begegnung. Und ja, das ist manchmal ganz schön komplex. Aber du kannst mit kleinen Veränderungen schon viel erreichen:
– Sprich einfach und klar – und frag nach, was wirklich angekommen ist.
– Sag lieber „und“ statt „aber“.
– Denk an die Beziehungs- und die Sachebene.
– Rede von dir, nicht von „man“.
– Nutze Ich-Botschaften statt Vorwürfen.
– Vergiss die Anerkennung nicht. Sie ist oft das stärkste Kommunikationsmittel überhaupt.
Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Fang klein an – vielleicht mit einem „Ich finde, du machst das richtig gut“. Und schau mal, was passiert. Viel Spaß 🙂